Kinderarmut: Wie können Kommunen reagieren?
Kinderarmut: Wie können Kommunen reagieren?

Der Rat hat im letzten Jahr ein Leitbild verabschiedet. Es wurden strategische Oberziele erarbeitet, an denen sich zukünftige Entscheidungen und Handlungen orientieren sollen. Zu den wesentlichen Produktgruppen, auf die sich der Rat verständigt hat, gehören unter anderen die Produktgruppen Schulen, Kindertagesbetreuung und Jugendarbeit. Nun gilt es, für diese Produktgruppen Ziele zu formulieren und Kennzahlen zu erarbeiten. Wir haben darüber unter dem Titel „Die Zieldiskussion geht weiter“ im Juni 2018 und „Jugendfreizeitangebote -Nachhaltig für Lebensqualität“ im Februar 2018 berichtet.

Die Verwaltung hat nun vorgeschlagen, bei der Produktgruppe Schule das Produktziel „soziale Teilhabe steigern“ aufzunehmen und als Kennzahl das „Verhältnis der Anzahl der Antragsteller auf Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) aus Barsinghausen zur Anzahl der Berechtigten für BuT-Leistungen aus Barsinghausen“.

Wir beantragen, dass dieses Produktziel auch bei den Produktgruppen Jugendarbeit und Kindertagesbetreuung aufgenommen wird. Auch in diesen Bereichen muss die Teilhabe von Kindern, die in Familien mit geringem Einkommen leben, betrachtet und gefördert werden. Auch hier können Leistungen nach dem Bildungs-und Teilhabepaket beantragt werden.

Zweitens beantragen wir, im Bezug auf das Produktziel „soziale Teilhabe steigern“ zusätzlich die Aufnahme der Kennzahl: „Das Verhältnis von kostenpflichtigen zu kostenfreien Angeboten (bzw. die maximal einen Euro kosten)“. Wir brauchen einen Überblick über die Angebotsstruktur in Barsinghausen, um diese bei Bedarf gezielt verändern zu können.

Auch wenn die Erhöhung der BuT-Inanspruchnahme eine notwendige Aufgabe für die Verwaltung und Politik ist, muss ebenso die Angebotsstruktur im Blickpunkt der Politik sein. Die Stadt hat im Februar 2019 den Fachtag „Kinderarmut-Das Gegenteil von Chancengleichheit“ durchgeführt. Wenn die Kinderarmutsquote in Barsinghausen bei circa 20% liegt, muss die Politik reagieren, gegebenenfalls mit der Bereitstellung von (mehr) kostenfreien Angeboten. Um die Teilhabechancen für Kinder, die von Armut betroffen oder bedroht sind, zu erhöhen und negative Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl der betroffenen Kinder zu vermeiden bzw. zu verringern, sollten die Kinder und ihre Eltern nicht ständig in die Rolle von „Bittstellern“ gedrängt werden. Darüber hinaus stehen zum Beispiel für Teilhabeaktivitäten am sozialen oder kulturellen Leben, das heißt für Kultur, Sport und Freizeitaktivitäten, für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zurzeit lediglich ein Beitrag von bis zu 10 Euro monatlich zur Verfügung*.



*Nähere Infos zum Bildungs- und Teilhabepaket findet ihr auf der Seite der Stadt Barsinghausen, unter der Rubrik Kinder, Soziales.